«Für Banken kann das Geschäftsmodell der unabhängigen Vermögensverwalter eine grosse Chance sein», erklären Andreas Luder und Marco Haas von Lumen Capital (Schweiz) im Gespräch mit WealthSummit. Der Dialog mit den Kunden werde häufig besser, weil Strategie, Struktur und Umsetzung sauber getrennt würden. Die Bank bleibe wichtig, aber sie sei nicht mehr zwingend die einzige Instanz, welche die gesamte Kundenbeziehung definiere.

Marco Haas (links), Partner, und Andreas Luder (rechts), CEO und Partner, Lumen Capital Schweiz (Bild: zvg)

Marco Haas (links), Partner, und Andreas Luder (rechts), CEO und Partner, Lumen Capital Schweiz (Bild: zvg)

Im Schweizer Private Banking wird Unabhängigkeit häufig als Gegenmodell zur Bank verstanden. Ist das aus Ihrer Sicht die richtige Lesart?

Andreas Luder: Nein, das greift zu kurz. Unabhängigkeit bedeutet für uns nicht, dass man sich gegen Banken positioniert. Im Gegenteil: Banken bleiben im Wealth Management zentral. Sie sind Depotbanken, Abwicklungsplattformen, Finanzierungspartner, Handelsplattformen und Anbieter spezialisierter Dienstleistungen. Der Unterschied liegt vielmehr darin, wo wir als unabhängige Vermögensverwalter ansetzen.

Nämlich?

Wir konzentrieren uns auf die individuelle und persönliche Beratung, die Portfoliokonstruktion, die strategische Vermögensplanung und die langfristige Begleitung unserer Kunden.

Marco Haas: Für den Kunden entsteht dadurch eine sinnvolle Arbeitsteilung. Die Bank stellt die Plattform und Infrastruktur zur Verfügung, während wir die Gesamtvermögenssituation strukturieren, die Anlageziele definieren, Informationen und Lösungen von verschiedenen Partnern und Dienstleistern vergleichen und für die Umsetzung verantwortlich sind. Das Modell ist also weniger als Konkurrenz zur Bank zu verstehen, sondern vielmehr als eine Partnerschaft, bei der die Rollen klar verteilt sind.

Was bedeutet diese Arbeitsteilung konkret für vermögende Privatpersonen, Unternehmerfamilien oder international orientierte Kunden?

Haas: Viele Kunden wollen die Qualität und Stabilität etablierter Banken weiterhin nutzen. Gleichzeitig möchten sie aber nicht vollständig an die Anlageagenda eines einzelnen Instituts gebunden sein. Genau hier bietet unser Modell einen Mehrwert. Das Vermögen bleibt bei einer oder mehreren Banken gebucht, während Lumen Capital die unabhängige Beratung, die Strategie, die Auswahl der passenden Lösungen und die laufende Überwachung übernimmt.

Als Boutique betreuen wir zudem pro Partner in der Regel weniger Kunden. Dadurch verfügen wir über mehr Zeit für die individuelle Betreuung und eine vertiefte Kenntnis der persönlichen und finanziellen Situation unserer Kunden. Dies ermöglicht einen stärkeren Fokus auf ihre Bedürfnisse und die Entwicklung massgeschneiderter Lösungen.

Luder: Für anspruchsvolle Kunden ist diese Kombination attraktiv. Sie erhalten Zugang zu Bankdienstleistungen, bleiben aber in der Beratung unabhängig. Wir können verschiedene Depotbanken, Anlageprodukte, Dienstleistungen und Marktmeinungen miteinander vergleichen und kombinieren. Dadurch entstehen Lösungen, die stärker auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden ausgerichtet sind.

Lumen Capital (Schweiz) wurde 2021 in Zürich gegründet und ist Finma-lizenziert. Wie positioniert sich das Unternehmen heute?

Luder: Lumen Capital ist eine unabhängige Schweizer Vermögensverwaltungs-Boutique mit Standorten in Zürich und Wollerau SZ. Unser Anspruch ist es, eine 360-Grad-Kundensicht einzunehmen. Wir kümmern uns um die ganzheitlichen Interessen unserer Kunden und behandeln ihre finanziellen Angelegenheiten so, als wären sie unsere eigenen. Dabei erstellen wir für jeden Kunden ein langfristiges, massgeschneidertes Vermögenskonzept, das auf die persönlichen Bedürfnisse und Ziele ausgerichtet ist.

Haas: Wichtig ist uns die persönliche Nähe. Unsere Kunden arbeiten direkt mit erfahrenen Ansprechpartnern zusammen, die Verantwortung übernehmen und eng in den Anlageprozess eingebunden sind. Wir wollen keine anonyme Plattform sein, sondern kultivieren eine langfristige Beziehung mit unseren Kunden. Die Zuständigkeiten sind klar und die Entscheidungswege kurz.

In der Vermögensverwaltung ist häufig von «offener Architektur» die Rede. Was bedeutet dieser Begriff bei Lumen Capital konkret?

Luder: Für uns bedeutet offene Architektur, dass wir keine eigenen Produkte anbieten und nicht an ein internes Produktuniversum gebunden sind. Wir starten nicht mit der Frage, welches Produkt verkauft werden soll, sondern mit der Analyse. Es geht darum, zu verstehen, welche Lösung für den Kunden sinnvoll ist.

Ist dieses Modell für Banken nicht ein Verlustgeschäft?

Haas: Nein. Unabhängige Vermögensverwalter bringen Vermögenswerte, Transaktionen und langfristige Kundenbeziehungen auf die Plattformen der Banken. Gleichzeitig entlasten sie Banken dort, wo ein stark personalisiertes Betreuungsmodell sehr ressourcenintensiv ist. Aus meiner Sicht ist das eine moderne Form der Arbeitsteilung.

Luder: Für Banken kann dieses Modell sogar eine Chance sein. Der Dialog mit dem Kunden wird qualitativ oft besser, weil Strategie, Struktur und Umsetzung sauber getrennt werden. Die Bank bleibt wichtig, aber sie ist nicht mehr zwingend die einzige Instanz, welche die gesamte Kundenbeziehung definiert.

Wie ist der Anlageprozess bei Lumen Capital konzipiert?

Haas: Unser Anlageprozess ist aktiv, strukturiert und diszipliniert. Er orientiert sich an den Bedürfnissen, Zielen und Risikoprofilen unserer Kunden. Es geht nicht darum, kurzfristigen Marktbewegungen hinterherzulaufen, sondern robuste Portfolios zu bauen und Anlageentscheide nachvollziehbar zu machen. Ziel ist die nachhaltige Wertsteigerung über den Zyklus hinweg.

Wer unabhängig arbeitet, muss zeigen können, wie Anlageentscheide zustande kommen und wie Interessenkonflikte vermieden werden. Deshalb legen wir Wert auf klare Prozesse, sorgfältige Analyse, Risikomanagement und regelmässige Überprüfung. Unabhängigkeit bedeutet nicht Beliebigkeit. Im Gegenteil, Unabhängigkeit verlangt besonders viel Disziplin.

Wie erleben Sie die Entwicklung des Marktes für unabhängige Vermögensverwalter in der Schweiz?

Luder: Der Markt professionalisiert sich stark. Regulierung, Technologie, Reporting und Organisation werden anspruchsvoller. Gleichzeitig suchen viele Kunden nach Beratung, die weniger produktgetrieben und stärker auf ihre Gesamtinteressen ausgerichtet ist. Das schafft Raum für gut aufgestellte unabhängige Vermögensverwalter.

Haas: Aus Kundensicht geht es immer stärker um die Frage, welche Kombination den grössten Mehrwert schafft: Bankplattform, unabhängige Beratung, persönliche Verantwortung und Zugang zu Spezialisten. Wealth Management funktioniert zunehmend als Ökosystem. Genau in diesem Umfeld positioniert sich Lumen Capital.

Wofür steht Lumen Capital in diesem Ökosystem?

Luder: Für eine Boutique mit internationaler Erfahrung, offener Architektur, erfahrenen Beratern und einer banknahen Umsetzung. Wir wollen die Vorteile etablierter Finanzinstitute mit unabhängiger Beratung und persönlicher Verantwortung verbinden.

Haas: Am Ende zählen für den Kunden die Qualität und Kontinuität der Betreuung. Unsere Stärke liegt darin, zuzuhören, zu strukturieren, Lösungen kritisch zu prüfen und langfristig Verantwortung zu übernehmen. Wir möchten Kunden nicht nur bei Anlagen begleiten, sondern bei der Ausgestaltung ihrer gesamten Vermögenssituation.


Andreas Luder ist seit Juni 2022 CEO und Partner bei Lumen Capital (Schweiz). Vor seinem Wechsel war er mehr als 25 Jahre im Wealth Management der Schweizer Grossbank UBS tätig, wo er sowohl in der Schweiz als auch im Ausland Erfahrung in allen Bereichen der Vermögensverwaltung sammelte. Früh in seiner Karriere arbeitete er für die UBS in Singapur als Kundenberater für südostasiatische Privatkunden. Zurück in der Schweiz verantwortete er diverse Bereiche im UBS Wealth Management. Die letzten zehn Jahre betreute er wohlhabende Schweizer Kunden und deren Familien. Er hat einen Master in Wirtschaftswissenschaften der Universität Zürich und ist zertifizierter Wealth Management Advisor (CWMA) für den Markt Schweiz.

Marco Haas ist seit Juni 2025 Partner bei Lumen Capital (Schweiz) und betreut Privatkunden in der Schweiz. Er verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Vermögensverwaltung, sowohl im Schweizer Markt als auch im internationalen Geschäft. Er startete seine Karriere 2004 im internationalen Wealth Management der UBS. Von 2010 bis 2014 war er an der Gründung und dem Aufbau einer Privatbank in Zürich beteiligt. Danach betreute er bei der UBS während zehn Jahren vermögende Schweizer Kunden als Senior-Kundenberater und war Teamleiter. Er hat einen Master in Wirtschaftswissenschaften der Universität St. Gallen (HSG) sowie ein Diplom als Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA). Er ist zudem zertifizierter Wealth Management Advisor (CWMA) für den Markt Schweiz.